Hitze - Raven Leilani
Hitze war für mich ein Buch, das gleichzeitig wehgetan und unglaublich gutgetan hat. Edie, die Hauptfigur, hat mich sofort gepackt – mit ihrer schonungslosen Ehrlichkeit, ihrem schwarzen Humor und ihrer verletzlichen Art, durchs Leben zu stolpern. Es war, als würde ich jemanden lesen, der ständig auf einer schmalen Linie zwischen Selbstaufgabe und radikaler Selbsterkenntnis balanciert.
Was mich besonders beeindruckt hat, war Leilanis Sprache: messerscharf, rhythmisch, manchmal chaotisch, aber immer auf den Punkt. Ich habe oft innegehalten, um Sätze noch mal zu lesen – weil sie so wahr waren oder weil sie so verdammt gut geschrieben waren.
Die Beziehung zwischen Edie und Akila hat mich emotional am meisten berührt. Inmitten all der schrägen Dynamiken und unausgesprochenen Spannungen war sie für mich ein stiller, ehrlicher Moment, der dem Buch Tiefe und Wärme gegeben hat.
Hitze ist kein einfaches Buch. Es geht um Rassismus, um Sexismus, um das Überleben in einer Welt, die für viele nicht gemacht ist. Und trotzdem – oder gerade deshalb – ist es so lesenswert. Ich habe mich oft ertappt gefühlt, manchmal unwohl, aber immer auch irgendwie verstanden.
Hitze ist kein Wohlfühlroman, sondern ein wilder, wütender, kluger Text, der den Finger tief in die Wunden der Gegenwart legt – und dabei dennoch einen Ton findet, der mitreißt und berührt. Ein mutiges, intensives Debüt, das mich definitiv noch eine Weile beschäftigen wird.
Erscheinungsdatum: 01.09.2021
Verlag: Atlantik Verlag
Seitenzahl: 256
Übersetzt von: Sophie Zeitz
ISBN: 978-3-455-01233-0



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